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Christoph Hein: 

Ein Wort allein für Amalia

Insel Verlag (IB 1479) Berlin 2020, 86 S., 14 EUR

gelesen September 2021

 

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Hein lässt in einer Briefnovelle Lessings Stieftochter Maria Amalia, vom Dichter zärtlich "mein Malchen" genannt, von den letzten Tagen des großen Aufklärers berichten.

Das ist nicht weiter aufregend bis auf einige Stellen, in denen Hein den großen Lessing fast resignierend ein Resümee seines Lebens und Schaffens ziehen lässt. Das erinnert an den alten Marx, der seine Werke dem "Schrotthaufen der Geschichte" übereignete.

Heins Lessing also spricht so über seinen mangelnden Einfluss auf die Verhältnisse.

"... der Arbeit bis ich überdrüssig. Die Arbeit, die doch mein Leben war. Der Theater, der Zeitungen, der Polemiken. Ich will auf keine Kanzel mehr. Es fruchtet nichts. Was für eine zweideutige Ehre von zweifelhaften Theatern aufgeführt zu werden. Und bessere? Die sind allein in meinem Kopf. Ich habe sie zu bessern gesucht. Sie haben dazu Beifall geklatscht, mich gelobt, meinen Namen gebrüllt, als sei ich ein Hanswurst. Und haben weiter ihren Dreck getrieben. Es lohnt sich nicht. Meine Hoffnungen waren so groß, wie sie trügerisch waren.. Und sie haben mich dazu verführt, auszuharren. Welche Demütigung habe ich nicht hingenommen. Hinnehmen müssen, weil ich hoffte. Und jetzt, wo mich keine Hoffnung mehr bedrückt, hätte ich den richtigen Verstand und die Kraft. ... Aber nun fehlt die Hoffnung, und es wird alles zum Überdruss." (S. 65f)

Michael Seeger, 26. Oktober 2021 top

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