Carina Babinsky: Der Urlaubshund

Books on Demand GmbH, Norderstedt o.J. ISBN 978-3-8370-9209-7, 196 S., 12,90 EUR, zu beziehen über Amazon

Ein Tier lässt Menschen gut werden

Wünscht sich nicht jedes Kind irgendwann - vielleicht zu Weihnachten - ein Tier, vielleicht einen Hund? Und wie viele Kinder müssen von ihren Eltern hören: "Kommt überhaupt nicht in Frage!" Carina Babinsky erzählt eine Geschichte, die solchen Kindern Mut machen kann.

Eine klassische Mittelstandsfamilie: Papa, Mama, Danny (14), Lina (9) verbringen die Pfingstferien auf einem Campingplatz in Griechenland. Der Junge, in der Schule schlecht, hat ein schreckliches Lernprogramm, das ihm die Ferien versauert. Das wird aber bald nebensächlich, als Lina einen verwundeten Straßenhund findet. Voller List und Raffinesse schafft sie es, dieses kleine Hundemädchen "Juma" zu füttern und gesund zu pflegen, ohne dass die Eltern davon etwas merken. Eines Tages ist auch der große Bruder eingeweiht, und gemeinsam gelingt es, den schon etwas genesenen Hund heimlich im Wohnwagen Richtung Deutschland zu schleusen. Unterwegs in Italien fliegt alles auf. Aber statt der Katastrophe, die vom strengen Vater droht, erleben die Kinder, dass die Eltern bereit sind, diesen Hund als Familienhund aufzunehmen: "Wir sind so stolz, solche Kinder zu haben. Solche Kinder, die sich so für andere einsetzen, ohne an sich selbst zu denken." Alles wird also gut: "Juma war zu Hause."

Die Autorin, eine wahre Hundeexpertin, erzählt diese Kinderurlaubsgeschichte aus doppelter Perspektive. Einmal aus der Sicht der neunjährigen Protagonistin, zum andern aus der Sicht des Hundemädchens Juma. Sie adelt das Tier, indem sie die Hündin personifiziert und vermenschlicht. Erzähltechnisch wird der Hündin die Ehre zuteil, dass in der erlebten Rede von ihr erzählt wird: "Dieser Mensch war traurig, er weinte. (...) Und es war nur ein Menschenkind. Konnte es sein, dass dieser Mensch keine Gefahr bedeutete?" (S. 12). Auf diese Weise, erzähltechnisch egalitär, lasst Carina Babinsky Mensch und Tier sich auf Augenhöhe begegnen und erzeugt beim jugendlichen Leser Empathie für beide.

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In schlichter klarer Sprache führt Carina Babinsky den Leser, oder doch besser: die kindliche Leserin, durch den Urlaub, wobei die zerrinnenden Tage die Dramaturgie für den Spannungsbogen abgeben. Die Frage ist nämlich, ob es Lina gelingt, innerhalb der knappen Urlaubszeit, eine zukunftsträchtige Lösung für das kranke Tierchen zu finden. Logisch - für ein Kinderbuch - müssen da immer wieder kleine Hindernisse eingebaut werden. Der Leser vertraut aber in Linas Kraft und Geschick, diese Hindernisse zu überwinden.

Und so muss das Buch natürlich gut ausgehen. Mancher mag einwenden: zu gut! Denn selbst die Schulschwierigkeiten Dannys lösen sich in Wohlgefallen auf: "Herr Möller war ganz begeistert, dass ich die Matheaufgaben plötzlich verstehe." (S. 189)

Dieses allseitige Happy-End entspricht aber genau dem Ethos der Erzählerin, die mit Ihrem Erstlingswerk einen Beitrag dazu leisten möchte, dass es "wieder mehr Gutes auf der Welt gibt."

© 2010-2011 Michael Seeger, Letzte Aktualisierung 24.12. 2010