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Paul John:
„belogen und betrogen"

 

 

In den vergangenen Tagen wurde mehrfach über die Familientragödie der Johns berichtet.

Um unseren Lesern die Vorgänge besser verständlich zu machen, befragten wir den direkt betroffenen Herrn John.

Redaktion: Herr John, Ihre Heimkehr nach Berlin bedeutete für Sie ursprünglich ein Neuanfang mit Ihrer Familie.

John: Stimmt jenau! Ick habe in Altona auf Akkord jeschafft, um für Muttern jenügend Jeld heranzuschaffen. Als ick jeheert habe, dat ick Vater werd, wollt ick nischt andres mehr, als mit det Kindeken und Muttern aus det olle wacklige Staatsjebäude raus und in ‘ne bessre Jegend ziehen.

Red.: Aber haben Sie sich nie Gedanken gemacht, ob Ihre Frau gar nicht von Ihnen schwanger sein konnte?
John: Ne, wir sind doch seit ‘72 glücklich verheiratet. Nachdem unser Adelbertchen jestorben ist, war det Kindeken unser größter Wunsch. Aber dat se zu sowat fähig is ...

Red.:Sie haben also Ihrer Frau blind vertraut. Und doch hat Sie etwas stutzig gemacht?

John: Ick hat so ‘ne Vorahnung, als se plötzlick nach Amerika wollt. Und immer de viele Nachbarn in unsre Wohnung, und det Jerede ...
Und auf det hin hab ick begriffen det Jette sich det Kind von ‘ner Fremden beschaffen hat, und als die es zurück wollt, hat se de Frau lassen von Bruno umbringen.

Red.: Ihre Frau Henriette wollte unbedingt ein Kind, aber auf diese Weise?

John: Ick weß nich, wie se auf den Jedanken jekommen is. Vielleicht hab ick se zu oft allene jelassen. Aber ick wusst schon immer, dat Bruno nen schlechten Einfluss auf Jette hat.

Red.: Herr John, Sie meinen also, Ihr Schwager Bruno sei mitschuldig?

John: Jenau, dieser Schubiak jehört nicht unter Menschen. Ick denk, dat Jette den nich zum Mord anstiften musste, det hat der sich allene ausjedacht. Der Lump, der Taujenichts, der...

Red.: Nicht aufregen, Herr John! Auch wenn Bruno mitschuldig ist, so war es doch die Idee Ihrer Frau, das fremde Kind als Ihr eigenes auszugeben, und...

John: Natürlich, Jette hat uns alle anjelogen und is mit det Kind einfach abjehaun. Sie hat jedacht, det merkt keener und als se wieder aufjetaucht is, is doch alles ans Licht jekommen. Und da is Jette total durchjeknallt.

Red.: Konnten Sie Ihre Frau nicht beruhigen und ihr in dieser Situation zur Seite stehen?

John: Ick war doch selber enttäuscht, wurd belogen und betrogen, und dann verdächtigt mit de Polizei jeschafft zu haben, und detvon de eigne Frau. Ick konnt ihr einfach nich helfen ...

Red.: Und aus Verzweiflung hat sich Henriette John dann umgebracht?

John: Springt einfach aus de Fenster. Wollt se doch aufhalten! Wollt ihr beistehn! Bin doch auch Schuld an det Janze. Ick wünscht mir immer ‘ne Familie. Ick lieb meine Jette! Und nun bin ick allene ...

 

© 1999-2022 Michael Seeger, Faust-Gymnasium Staufen,  letztes Update 14.02.2022